20.12.2005

Wuff!

Nintendogs
Nintendo 2005

Das Phänomen, virtuelle Lebewesen auf einem Computersystem spielerisch zu simulieren, ist nicht gerade neu. Bereits 1985 veröffentlichte die aus ehemaligen Atari-Mitarbeitern bestehende Firma Activision das Programm "Little Computer People", in dem ein kleines Männchen mit seinem Hund in ein virtuelles Haus im Computer des Nutzers einzog und nun gehegt und gepflegt werden wollte. Das Programm kannte kein anderes Ziel als die Interaktion zwischen Nutzer und virtuellem Lebewesen, welches bei Vernachlässigung krank werden (dargestellt durch eine grüne Gesichtsfärbung) und sogar sterben konnte.
Im Jahre 1996 entwickelte die Japanerin Aki Maita das so genannte "Tamagotchi", welches prinzipiell die Idee von "Little Computer People" vom stationären Computer löste und in ein kleines, transportables Ei steckte. Dieses kleine "Tamagotchi" vermochte es einen Trend auszulösen, und wurde in den folgenden Jahren mehrfach kopiert und fortentwickelt, wobei Spielzeuge wie die "Furbys" und Computerprogramme wie der sprechende Delphin "Fin Fin" einige der bekannteren Produkte sind.

Der neue Nintendo DS ist mit vielen interessanten Eigenschaften ausgestattet, die dem Nutzer ein völlig neues und direkteres Spielgefühl vermitteln können. Die zwei Bildschirme, von denen einer ein Touchscreen ist, das Mikrophon und die WLAN-Fähigkeiten dieser mobilen Konsole eröffnen dem Spieler stärkere Interaktionsmöglichkeiten als jemals zuvor. Und all diese Fähigkeiten eignen sich natürlich auch hervorragend für ein Spiel, in dem der Spieler mit einem virtuellen Lebewesen interagiern muss.

Wie der Titel schon verrät, dreht sich Nintendogs um den liebsten Gefährten des Menschen, den Hund. Zu Beginn des Spieles kann der Nutzer sich einen von sechs Welpen aussuchen, um den er sich im Folgen kümmern soll. Es existieren drei verschiedene Versionen von Nintendogs, die zu Beginn alle einen unterschiedlichen Fundus an Hunderassen bieten, alle weiteren Hündchen kann man jedoch mit fortschreitendem Erfolg als Hundetrainer in jeder Version freispielen. Hinzu kommen noch zwei Bonus-Welpen, was letztendlich eine Anzahl von insgesamt zwanzig verschiedenen Hunderassen ergibt.

Nach der Auswahl eines Welpen geht es weiter zur Namensvergabe, und hier kommt zum ersten Mal das Mikrophon des Nintendo DS zum Einsatz. Der angehende Trainer wird aufgefordert, mehrmals den frei wählbaren Namen des Hundes deutlich in das Mikro zu sprechen, damit das Tier in Zukunft auf die Stimme des Menschen reagieren kann. Und dies funktioniert hervorragend!

Jetzt beginnt der Traineralltag: Das Hündchen möchte gefüttert, geduscht, ausgeführt, gestreichelt und beschäftigt werden, wie ein wirklicher Hund eben. Zudem kann der Trainer dem virtuellen Kläffer einige Tricks beibringen, von einfachen Befehlen wie Sitz oder Platz bis hin zum Handstand, welche wie der Name des Hundes per Spracheingabe aktiviert werden. Mit diesen erlernten Fähigkeiten ist es dem Welpen nun möglich, an drei verschiedenen Wettbewerben teilzunehmen, an einem Gehorsamkeitstest, einem Hindernislauf und einem Frisbee-Wettbewerb. Für das erfolgreiche Bestehen solcher Übungen bekommt der Trainer Geld, mit dem er Futter, Spielzeug oder sogar bis zu insgesamt fünf Welpen kaufen kann. Das Zubehör kann der Trainer auch oftmals während eines Rundgangs in der virtuellen Stadt entdecken, denn dort sind Gegenstände in Form von Geschenken versteckt, die der Hund finden kann. Auch ist es möglich, per WLAN zusammen mit einem anderen Nintendogs-Trainer Gassi zu gehen und die Welpen miteinander spielen zu lassen. Falls der Trainer das Hündchen einmal vernachlässigen sollte, gibt es bei Nintendogs keine so schweren Konsequenzen, wie es sie noch beim "Tamagotchi" gab, das Tier kann also nicht sterben. Aber ausbüchsen kann es durchaus, kommt aber nach kurzer Zeit zurück.

Nintendogs bietet also kein lineares Spielziel, das Programm kennt keine stringente Narration und kein wirkliches Ende. Das ist zugleich die Crux des Spiels, denn irgendwann hat man alles gesehen, und da sich auch das virtuelle Lebewesen nicht weiterentwickelt und nur einen eingeschränkten, eigenen Charakter bietet, ist eben irgendwann die Luft raus. Und trotzdem ist der Titel unheimlich fesselnd! Das liegt natürlich einerseits an der liebevollen Umsetzung der Hunde, die sich in ihrer dreidimensionalen Repräsentation gebärden und bewegen als wären sie wirklich lebendig. Einfach hinreissend! Zudem verlocken sowohl die Wettbewerbe als auch die mannigfaltigen Gegenstände, die es zu ergattern gilt, zum kontinuierlichen Weiterspielen. Auch wenn ich mir persönlich noch weitere Features im Spiel gewünscht hätte, wie beispielsweise einen Online-Modus, Katzen, Tierärzte und ähnliches, vermag mich Nintendogs auf ganzer Linie zu überzeugen. Die Umsetzung ist gelungen, und das Spiel wirkt in sich rund und geschlossen. Leider treten ab und an absolut vermeidbare Designfehler auf, wie zum Beispiel das ewige Durchlesen nicht abkürzbarer Texte bei den Wettbewerben (von einem Miyamoto-Titel hätte ich mir da mehr erwartet), die den Gesamteindruck allerdings nur minimal trüben. Denn die kleinen Hündchen sind einfach zu süß, auch wenn sie keine immerwährende Motivation in sich bergen. Und ich bitte Sie, mich nun zu entschuldigen, denn da möchte jemand vor die Tür…

Autor: © http://www.weltdermedien.de 2005

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