28.01.2007

Die Säge im Emergency Room

SAW 3
SAW 3
USA, 2006.
Regie: Darren Lynn Bousman


Mit "SAW" (Wan, 2004) schuf man einen Film, mit "SAW 2" (Bousman, 2005) schuf man eine Basis. Eine Basis für noch mehr Gewalt, noch mehr plumpe Dialoge und noch mehr talentfreien Raum.

Frei nach dem Motto "Je mehr desto weniger" hat man in den dritten Film satte 12 Millionen US-Dollar investiert (zum Vergleich: Der Erste kam mit weniger als 1 Millionen Dollar aus), scheinbar lediglich um die Anzahl an Statisten zu vervielfachen und die in der Regel tödlichen Apparate noch größer zu gestalten.

Nun ja, ein wenig Blut schadet nie, und viele Schauspieler versprechen viele Tote. Die beste Vorraussetzung für sinnfreie Unterhaltung wie der Vorgänger noch im letzten Jahr demonstrierte. Doch gehört zu "SAW" nicht eine Handlung?
Richtig, die Handlung. Im ersten Teil führte eben jene zu einem furiosen Abschluss samt Botschaft und Tralala. Im zweiten Teil blieben furioser Abschluss und Botschaft aus und im Dritten schließlich gelingt das Ende wenigstens wieder einigermaßen, nur wird das Tralala auf ein unzumutbares Niveau gesenkt.

Wie auch immer, Lynn (Bahar Soomekh), eine Ärztin mittleren Alters, wird typischerweise entführt um sich kurze Zeit später in einem mittlerweile ausreichend bekannten Spiel wieder zu finden. Ganz neu (Innovation!), Lynn wird erst im weiteren Verlauf mit einer Apparatur bestückt, vermutlich weil sie die undankbarste Aufgabe aller Opfer hat, sie muss den zerfallenden John (Tobin Bell) am Leben erhalten. Dass das Ganze einem weiterreichenden Zweck dient und Vorwand für das überraschende Finale ist, ist sicherlich nicht schwer zu erraten.
Dieser Teil des Gesamtplots ist leider derart misslungen, dass auch die bislang immer soliden Tobin Bell als John und vor allen Dingen Shawnee Smith als Amanda nichts mehr retten können. Ganz im Gegenteil, Bell liefert eine dem ersten Teil sehr ähnliche Leistung ab, indem er liegt. Nur liegt er hier eben in seinem Bett, bespuckt sich hin und wieder, stöhnt auch ganz gerne mal und lässt sich operativ "verwöhnen", nur um dann schließlich seinen Mitspielern irgendwelche Weisheiten vorzuplaudern. Na gut, diese Figur ist eben obligatorisch und für viele in seiner Rolle unersetzlich.
Shawnee Smith, als Amanda nun auch bereits das dritte Mal an Bord, liefert hier eindeutig die schlechteste Leistung der "Noch Trilogie" ab, was vermutlich weniger an ihrem Können als an ihrer total dämlichen Rolle im Drehbuch liegt. "SAW" braucht einfach keine hysterische, eifersüchtige Ziege, die mit Todesblicken und Kraftausdrücken um sich wirft und bei jedem Auftritt mit irgendwelchen Mordinstrumenten herumfuchtelt, nur um diese anschließend heulend wegzulegen.
Kommen wir zum dritten Charakter des Idiotentrios, Bahar Soomekh als Lynn. Wer bereits in der Beschreibung Smiths in Tränen ausbrach (vor Lachen oder Weinen), möge nun bitte nicht in ein emotionales Tief fallen, denn für eine Rolle dieser Priorität ist die Besetzung einfach lausig. Ich möchte der Darstellerin nicht unterstellen als primitives Opfer eines der tödlichen Spiele Jigsaws ungeeignet zu sein, doch nehme ich ihr die Rolle der Ärztin zu keiner Zeit ab.
Gefühlsschwankungen von Arroganz bis hin zu Einfühlsamkeit sind absolut nervig und Ferndiagnosen von Türschwellen aus ebenso überflüssig wie der gesamte Subplot.

Kotzende Patienten, hysterische Zicken und operierende Frauen die sich scheinbar nicht im Klaren sind was das Ganze eigentlich soll, gehören ins Nachmittagsprogramm von Pro Sieben, aber gewiss nicht in einen Horrorschocker.
So erinnert dieser gesamte Teil doch sehr an "Emergency Room" und Konsorten nur eben mit sehr viel mehr Blut und sehr viel belangloseren Auseinandersetzungen. Kurz: Monoton und stinklangweilig.

Das haben sich vermutlich auch die Drehbuchautoren gedacht und zahlreiche überfällige Erklärungen in Bezug auf die Geschehnisse des ersten Films in Form von Rückblenden integriert. Dieses von den Fans stark geforderte Extra ist weder Entschädigung noch für den Film wirklich sinnreiches Material, denn existiert ein direkter Bezug zum ersten Film kaum mehr und die Rückblenden lassen alles noch ein wenig konfuser erscheinen und sind im Endeffekt kein sinnreiches Filmmaterial. Ein offizielles Statement zu den häufig gestellten Fragen der Fans hätte ausgereicht.

Eine echte Entschädigung hingegen für den "SAW"-Freund dürften die ersten geschätzten 15 Minuten sein, in denen erste belanglose Mitspieler ihr Leben lassen. Richtig schön mit Tonband, herrlicher Jigsaw-Stimme, düsterem Ambiente und Apparaturen die fraglicher den je sind. Da werden dann auch gleich Körperteile zermatscht, Knochen gebrochen, Glieder ausgerissen und das Blut fließt. Wunderherrlich denkt sich der Gorefreak und wunderherrlich denkt sich nun auch nicht mehr nur der Hobbybastler sondern auch der qualifizierte Maschinenbauingenieur, denn schnell arten kleine sadistische Folterwerkzeuge in makabere Todesbauten aus, die ebenso genial wie primitiv sind.

Doch erstmal der andere Teil des Gesamtplots, der sich schlussendlich mit der verkorksten Krankenbettgeschichte fügen soll, um in dem lang ersehnten Überraschungsmoment zu enden.
Jeff (Angus Macfadyen) ist in ein unbekanntes Haus gesperrt und hat die Aufgabe den Wegweisern zu folgen um einen höllischen Pfad der Erleuchtung bis zum Ende zu beschreiten. Sonderlich geschickt muss er sich dabei nicht anstellen, denn sind die Wegweiser bewusst offensichtlich platziert, einzig und allein um Jeff von einem Folterraum in den nächsten zu jagen. Das Prinzip erinnert hier erstmals stark an die "Cube" Filme.
Nur wird Jeff in diesen Räumen weniger Physisch als Psychisch gefordert, was dem Ganzen doch schwer den Reiz nimmt, insbesondere unter Anbetracht der Tatsache dass mit jedem Problem welches Jeff zu bewältigen hat eine bestimmte Person dafür leidet.
Denn haben diese Personen zwar etwas mit Jeff und Story zu tun, doch entsprechen diese keineswegs den typischen Jigsaw Opfern, sondern finden ihren qualvollen Tod schließlich in der Rache Jeffs.
Leider ist die Umsetzung eben dieser mindestens so bescheuert wie die Darstellung der Ärztin. Angus Macfadyen legt eine Inkonsequenz an den Tag, das ist unglaublich. Jede Entscheidung wird noch mindestens zweimal umgedreht, um diese dann am Ende doch zu bereuen. Gefühle beschränken sich auf die Extreme Aggression und Trauer und selbst diese wirken absolut unglaubwürdig und überzogen.

Hat man sich dann erstmal an diesen Schlag ins Gesicht gewöhnt, kann man sich zumindest noch an weiterer Gewalt erfreuen. Die großen Apparaturen wirken dabei stellenweise schon mal lächerlich, aber auch extrem beeindruckend. Ernüchternd eben die scheinbar wahllosen Tötungen, aber dieser Abstrich wurde ja bereits im zweiten Film vorgenommen.
Neu ist, dass erstmals mehr oder minder wichtige Personen in ein Spiel involviert werden und nicht ganz glücklich enden.

Das Finale schließlich kommt gewiss nicht an den ersten Teil heran, übertrumpft das Ende des direkten Vorgängers jedoch um Längen.
Alleine schon dank des erneut und vor allen Dingen sinnvoll verwendeten Scores, der nach "SAW" Kultstatus erlangte, in "SAW 2" aber extrem deplaziert wirkte, holt das Ende des Films einiges raus, da er mit der obligatorischen aufklärenden Zusammenfassung des Geschehens wieder funktioniert.
Überhaupt ist der Sound sehr gut gelungen, selten klangen hörbare Verletzungen so intensiv und selten wurde eine Operation so stechend vertont.

So was bleibt übrig? Neben einer schauspielerisch talentfreien Zone, stark abstrakten Todesfallen und einer total verblödeten Handlung immerhin Sadismus, viel Blut und sehr viele fragwürdige Gewaltdelikte. Aber vor allen Dingen auch Unterhaltung!


 

Autor: Nils Block © http://www.weltdermedien.de 2007